Die Borderline- Erkrankung

Die Borderline- Erkrankung ist eine Störung des Gefühlserlebens und Verhaltens mit vielfältigen und wechselnden Symptomen. Der Begriff „Borderline“ (Grenzlinie) bezeichnete schon in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts ein psychisches Erleben, welches Psychiater und Psychologen nicht genau zu einer neurotischen oder psychotischen Diagnose zuordnen konnten. Vieles, was Betroffene erleben, ist schwer in Worte zu fassen - nicht nur für sie selbst.

Heute ist die Borderline – Persönlichkeitsstörung (BPS) eine ganz eigenständige psychische Erkrankung mit vielen beschreibbaren und sichtbaren Symptomen wie Suizidalität, Selbstverletzungen und weiteren selbstschädigenden, impulsiven Verhaltensweisen, einschießender Anspannung, starken Stimmungsschwankungen und instabilen aber intensiven zwischenmenschlichen Beziehungen. Schwerer sichtbar und beschreibbar ist die dahinter liegende Persönlichkeitsstruktur mit hoher Sensibilität im Gefühlserleben, dem verzweifelten Bemühen, Alleinsein zu verhindern und einem Gefühl der inneren Leere und Unsicherheit bezüglich des eigenen Selbst.

Auch die Ursachen für die BPS sind vielfältig. In ihren sehr individuellen Manifestationen ist die Borderline-Persönlichkeitsstörung aus heutiger Sicht das Produkt einer komplexen Mischung aus neurobiologischen Faktoren und Umweltfaktoren (schwierige und/ oder traumatische Lebenserfahrungen), die sehr individuell miteinander interagieren und gemeinsam vorliegen müssen, damit die Erkrankung entsteht. Es gibt für BPS international festgelegte Kriterien, anhand derer man feststellen kann, ob jemand an dieser Erkrankung leidet oder nicht. Bei der Diagnosestellung vor einer Behandlung, wie zum Beispiel der DBT, legen Fachleute diese Kriterien zugrunde.

Die BPS kann auch mit einer oder mehreren weiteren Erkrankungen gleichzeitig auftreten (Komorbidität), die bei einer Behandlung berücksichtigt werden müssen. Am häufigsten tritt die BPS mit Depressionen auf, ebenfalls häufig sind Angststörungen oder Störungen des Essverhaltens, wie Magersucht oder Bulimie. Es kann auch zu vermehrtem Konsum von Alkohol und Drogen kommen, welche meist zur Reduktion der als unerträglich empfundenen Anspannung eingesetzt werden. Unter Umständen entwickelt sich jedoch hieraus eine Suchterkrankung.

Wenn wir uns vorstellen, dass Gefühle Pferde sind, sitzen „normale“ Menschen auf einem eher ruhig reagierenden Pferd. Menschen mit BPS hingegen sitzen auf einem arabischen Vollbluthengst. Er ist hochsensibel, geht leicht durch, hat ein starkes Temperament und ist nur schwer wieder zu bändigen. Das bedeutet, dass ein Araberhengst besondere Fähigkeiten erfordert, wenn man ihn reiten will, ohne abgeworfen zu werden. Dabei ist ein Araberhengst ein besonderes Pferd, wenn man gut reiten kann.